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Trans-Resveratrol: Was es ist und was die Forschung zeigt

Illustration einer Weintraube, von Heidelbeeren, Erdnüssen und einem Stängel des Japanischen Staudenknöterichs
Resveratrol kommt in Traubenschalen, Erdnüssen und einigen Beeren vor. Für Nahrungsergänzungsmittel wird es chemisch synthetisiert, durch Hefefermentation hergestellt oder aus Pflanzen gewonnen, etwa aus dem Japanischen Staudenknöterich (rechts).

Resveratrol ist eine von Pflanzen gebildete Verbindung, die in Traubenschalen, Rotwein, Erdnüssen und einigen Beeren vorkommt. Bekannt wurde Resveratrol in den 2000er-Jahren, nachdem Laborstudien an Hefen und Mäusen große Aufmerksamkeit erregt hatten.

Die Forschung am Menschen zeichnet ein vorsichtigeres Bild. Dieser Artikel erklärt, was Resveratrol ist, was im Körper damit geschieht und was Studien am Menschen ergeben haben.

Was Resveratrol ist

Resveratrol gehört zu den Polyphenolen, einer großen Gruppe von Pflanzenstoffen. Genauer gesagt ist es ein Stilben, ein Polyphenoltyp aus zwei miteinander verbundenen Ringstrukturen. Pflanzen bilden es als Abwehrstoff, und zwar in größeren Mengen, wenn Blätter verletzt oder infiziert werden oder ultraviolettem Licht ausgesetzt sind.1 Es kommt in mehr als 70 Pflanzenarten vor und ist in der Schale roter Weintrauben besonders konzentriert.2

Die Mengen in Lebensmitteln sind gering. Rotwein enthält in der Regel etwa 1 bis 4 mg Resveratrol pro Liter, gelegentlich auch mehr als 10 mg.3

Das Molekül kommt in zwei Formen vor, die als trans und cis bezeichnet werden. Die trans-Form überwiegt; Hitze, Licht und ultraviolette Strahlung können sie in die cis-Form umwandeln.2

Zwei Kugel-Stab-Modelle von Resveratrol: links eine gestreckte, rechts eine abgewinkelte Form
Die beiden Formen von Resveratrol: trans (links) und cis (rechts). Sie bestehen aus denselben Atomen, unterscheiden sich aber in der Form an der zentralen Doppelbindung (hervorgehoben).

Wie der Körper Resveratrol verarbeitet

Resveratrol wird gut aufgenommen: In einer Studie mit sechs Freiwilligen nahm der Körper mindestens 70 Prozent einer Dosis von 25 mg auf. Darmwand und Leber hängen rasch Sulfat- oder Glucuronsäuregruppen an das Molekül an, sodass im Blut überwiegend diese umgewandelten Formen, die man Metaboliten nennt, und nur geringe Mengen unveränderten Resveratrols zirkulieren.4

Neuere Forschung deutet darauf hin, dass diese Metaboliten nicht einfach Abfallprodukte sind. Man nimmt an, dass Enzyme in Geweben und in Darmbakterien die angehängten Gruppen wieder abspalten, wodurch freies Resveratrol entsteht; die im Blut zirkulierenden Metaboliten könnten demnach als Reserve der Verbindung dienen.5 In Laborexperimenten wandelten Zellen aus der inneren Auskleidung menschlicher Blutgefäße Resveratrol-Metaboliten wieder in freies Resveratrol um.6

Was die Forschung untersucht hat

Sirtuine. 2003 berichteten Forschende, dass Resveratrol ein Sirtuin aktiviere, eines aus einer Enzymfamilie, die mit den Effekten einer Kalorienrestriktion in Verbindung gebracht wird, und die Lebensdauer von Hefe verlängere.7 Der Befund löste eine lange wissenschaftliche Debatte darüber aus, wie diese Aktivierung zustande kommt, und spätere Forschung beschrieb einen Mechanismus, bei dem sie von der Form des Zielproteins und von einer bestimmten Stelle am Enzym abhängt.8 In einer Studie aus dem Jahr 2023 mit gesunden Frauen und Männern im Alter von 55 bis 65 Jahren erhöhten 500 mg Resveratrol pro Tag über 30 Tage den Blutspiegel des Sirtuins SIRT1, ebenso wie eine kalorienreduzierte Ernährung in der Vergleichsgruppe.9

Studien an Mäusen. Mäuse, die bei kalorienreicher Ernährung Resveratrol erhielten, lebten länger als Mäuse, die bei gleicher Ernährung kein Resveratrol bekamen.10 Bei Mäusen mit Standardfutter verlängerte Resveratrol die Lebensdauer nicht, doch ältere Tiere, die Resveratrol erhielten, zeigten weniger Anzeichen des altersbedingten Abbaus, darunter elastischere Aorten, eine bessere motorische Koordination, weniger Katarakte und eine besser erhaltene Knochendichte.11

Studien am Menschen seit 2016. Die ausführlichsten neueren Ergebnisse stammen aus randomisierten, placebokontrollierten Studien, bei denen weder die Teilnehmenden noch die Forschenden wussten, wer Resveratrol erhielt:

  • Bei 80 Frauen nach der Menopause verbesserten zweimal täglich 75 mg über 14 Wochen die Fähigkeit der Blutgefäße im Gehirn, auf erhöhten Bedarf zu reagieren, im Vergleich zu Placebo um 17 Prozent. Auch das verbale Gedächtnis und die kognitive Gesamtleistung verbesserten sich.12
  • Dieselbe Forschungsgruppe begleitete anschließend 125 Frauen nach der Menopause über 24 Monate; jede von ihnen nahm ein Jahr lang Resveratrol und das andere Jahr ein Placebo ein. Unter Resveratrol verbesserte sich die kognitive Gesamtleistung um 33 Prozent, und auch die Durchblutung des Gehirns und die Nüchterninsulinwerte veränderten sich günstig.13 In derselben Studie nahm die Knochenmineraldichte in der Lendenwirbelsäule und in der Hüfte im Vergleich zu Placebo zu, und ein Marker des Knochenabbaus sank um etwa 7 Prozent.14 Die Frauen berichteten außerdem über weniger Schmerzen, weniger körperliche Wechseljahresbeschwerden und ein besseres allgemeines Wohlbefinden.15
  • Bei 30 gesunden Erwachsenen im Alter von 65 bis 80 Jahren, die an einem zwölfwöchigen Trainingsprogramm teilnahmen, nahmen bei denjenigen, die zusätzlich 500 mg Resveratrol pro Tag einnahmen, Muskelkraft, Muskelleistung und Ermüdungswiderstand sowie die Zahl der Mitochondrien (der energieliefernden Strukturen der Zellen) in den Muskeln stärker zu als bei denjenigen, die mit einem Placebo trainierten.16
  • In einer Pilotstudie mit 60 älteren Erwachsenen mit eingeschränkter körperlicher Funktionsfähigkeit, die alle zwölf Wochen lang trainierten, nahm die Gehstrecke in sechs Minuten mit 1000 mg Resveratrol pro Tag um 33 Meter zu, mit Placebo um 9 Meter. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass eine größere Studie gerechtfertigt ist.17
  • Bei 30 älteren Erwachsenen verbesserten hohe Dosen von 2 bis 3 Gramm pro Tag über sechs Wochen die Funktion der Blutgefäße und erhöhten die Zahl der Mitochondrien im Muskel, die Blutzuckerregulation veränderte sich jedoch nicht.18

Zur Haut verglich eine Studie aus dem Jahr 2025 mit 134 Frauen über 40 acht Wochen lang Resveratrol-Kapseln (150 mg pro Tag), eine Resveratrol-Creme und die Kombination aus beidem. Die Faltenwerte sanken am stärksten, nämlich um etwa 12 Prozent, wenn Kapseln und Creme zusammen angewendet wurden; nur diese Kombination unterschied sich deutlich von Placebo. Die Kapseln allein führten zu einer geringeren Verbesserung.19

Was die Studienlage insgesamt zeigt

Ein Umbrella-Review aus dem Jahr 2026, der 45 systematische Übersichtsarbeiten zu randomisierten kontrollierten Studien zusammenfasste, fand 35 signifikante Zusammenhänge zwischen Resveratrol und gesundheitlichen Messgrößen; 27 davon wurden mit mittlerer oder hoher Vertrauenswürdigkeit der Evidenz bewertet. Die Befunde mit hoher Vertrauenswürdigkeit waren ein geringerer Taillenumfang, ein niedrigeres Gesamtcholesterin bei Erwachsenen mit Übergewicht und ein niedrigerer Blutdruck bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Zu den Befunden mit mittlerer Vertrauenswürdigkeit gehörten das Arbeitsgedächtnis, die Funktion der Blutgefäßwände und Entzündungsmarker.20

Weitere zusammenfassende Analysen weisen in dieselbe Richtung. Über 17 Studien hinweg verbesserte Resveratrol die flussvermittelte Dilatation, ein Maß dafür, wie gut sich Arterien weiten, um etwa 1,4 Prozentpunkte.21 In einer Auswertung von 17 Studien senkte es TNF-alpha und hs-CRP, zwei Entzündungsmarker im Blut.22

Nicht alle Studien fanden dieselben Effekte. Eine Analyse von zehn Studien an Frauen nach der Menopause aus dem Jahr 2025 bestätigte niedrigere Schmerzwerte und niedrigere Werte eines Markers für den Knochenabbau, fand in der Zusammenfassung aber keine Veränderung der kognitiven Leistung oder der Stimmung.23

Sicherheit

In der zwölfmonatigen Studie mit Frauen nach der Menopause wurden 150 mg pro Tag ohne erkennbare Nebenwirkungen gut vertragen.24 Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 zu Studien mit älteren Erwachsenen stellte fest, dass keine der Studien über signifikante unerwünschte Ereignisse berichtete.25 Sehr hohe Mengen können die Verdauung beeinträchtigen: In der Studie mit 2 bis 3 Gramm pro Tag traten bei drei Teilnehmenden unter 3 Gramm schwere Verdauungsbeschwerden auf.18 Bei 1 Gramm pro Tag veränderte Resveratrol außerdem die Aktivität mehrerer Leberenzyme, die Arzneimittel abbauen, was die Wirkung mancher Medikamente verändern könnte.26

Offene Fragen

  • Wie viel tragen die Metaboliten zu den beim Menschen beobachteten Effekten bei?
  • Werden größere Studien die Ergebnisse zur Hirndurchblutung, zur Kognition und zu den Knochen bei Frauen nach der Menopause bestätigen?
  • Kann Resveratrol die positiven Effekte von körperlichem Training bei älteren Erwachsenen über längere Zeiträume unterstützen?
  • Welche Mengen und welche Einnahmedauer eignen sich für welche Endpunkte am besten?

Quellen

  1. Berman AY, et al. The therapeutic potential of resveratrol: a review of clinical trials. npj Precis Oncol. 2017;1:35. doi:10.1038/s41698-017-0038-6
  2. Shaito A, et al. Potential adverse effects of resveratrol: a literature review. Int J Mol Sci. 2020;21(6):2084. doi:10.3390/ijms21062084
  3. Kontaxakis E, Trantas E, Ververidis F. Resveratrol: a fair race towards replacing sulfites in wines. Molecules. 2020;25(10):2378. doi:10.3390/molecules25102378
  4. Walle T, et al. High absorption but very low bioavailability of oral resveratrol in humans. Drug Metab Dispos. 2004;32(12):1377-1382. doi:10.1124/dmd.104.000885
  5. Szymkowiak I, Kucinska M, Murias M. Between the devil and the deep blue sea: resveratrol, sulfotransferases and sulfatases. A long and turbulent journey from intestinal absorption to target cells. Molecules. 2023;28(8):3297. doi:10.3390/molecules28083297
  6. Fernández-Castillejo S, et al. Endothelial cells deconjugate resveratrol metabolites to free resveratrol: a possible role in tissue factor modulation. Mol Nutr Food Res. 2019;63(3):e1800715. doi:10.1002/mnfr.201800715
  7. Howitz KT, et al. Small molecule activators of sirtuins extend Saccharomyces cerevisiae lifespan. Nature. 2003;425(6954):191-196. doi:10.1038/nature01960
  8. Hubbard BP, et al. Evidence for a common mechanism of SIRT1 regulation by allosteric activators. Science. 2013;339(6124):1216-1219. doi:10.1126/science.1231097
  9. Gonçalinho GHF, et al. Sirtuin 1 and vascular function in healthy women and men: a randomized clinical trial comparing the effects of energy restriction and resveratrol. Nutrients. 2023;15(13):2949. doi:10.3390/nu15132949
  10. Baur JA, et al. Resveratrol improves health and survival of mice on a high-calorie diet. Nature. 2006;444(7117):337-342. doi:10.1038/nature05354
  11. Pearson KJ, et al. Resveratrol delays age-related deterioration and mimics transcriptional aspects of dietary restriction without extending life span. Cell Metab. 2008;8(2):157-168. doi:10.1016/j.cmet.2008.06.011
  12. Evans HM, Howe PRC, Wong RHX. Effects of resveratrol on cognitive performance, mood and cerebrovascular function in post-menopausal women; a 14-week randomised placebo-controlled intervention trial. Nutrients. 2017;9(1):27. doi:10.3390/nu9010027
  13. Thaung Zaw JJ, Howe PRC, Wong RHX. Long-term effects of resveratrol on cognition, cerebrovascular function and cardio-metabolic markers in postmenopausal women: a 24-month randomised, double-blind, placebo-controlled, crossover study. Clin Nutr. 2021;40(3):820-829. doi:10.1016/j.clnu.2020.08.025
  14. Wong RHX, Thaung Zaw JJ, Xian CJ, Howe PRC. Regular supplementation with resveratrol improves bone mineral density in postmenopausal women: a randomized, placebo-controlled trial. J Bone Miner Res. 2020;35(11):2121-2131. doi:10.1002/jbmr.4115
  15. Thaung Zaw JJ, Howe PRC, Wong RHX. Long-term resveratrol supplementation improves pain perception, menopausal symptoms, and overall well-being in postmenopausal women: findings from a 24-month randomized, controlled, crossover trial. Menopause. 2021;28(1):40-49. doi:10.1097/GME.0000000000001643
  16. Alway SE, et al. Resveratrol enhances exercise-induced cellular and functional adaptations of skeletal muscle in older men and women. J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2017;72(12):1595-1606. doi:10.1093/gerona/glx089
  17. Harper SA, et al. Resveratrol and exercise combined to treat functional limitations in late life: a pilot randomized controlled trial. Exp Gerontol. 2021;143:111111. doi:10.1016/j.exger.2020.111111
  18. Pollack RM, et al. Resveratrol improves vascular function and mitochondrial number but not glucose metabolism in older adults. J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2017;72(12):1703-1709. doi:10.1093/gerona/glx041
  19. Rao A, et al. Trans-resveratrol reduces visible signs of skin ageing in healthy adult females over 40: an 8-week randomized placebo-controlled trial. Front Aging. 2025;6:1727244. doi:10.3389/fragi.2025.1727244
  20. Sun JN, et al. Effects of resveratrol supplementation on multiple health outcomes: an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses of randomized controlled trials. Nutr J. 2026;25(1):63. doi:10.1186/s12937-026-01319-5
  21. Mohammadipoor N, et al. Resveratrol supplementation efficiently improves endothelial health: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Phytother Res. 2022;36(9):3529-3539. doi:10.1002/ptr.7562
  22. Koushki M, Dashatan NA, Meshkani R. Effect of resveratrol supplementation on inflammatory markers: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Clin Ther. 2018;40(7):1180-1192.e5. doi:10.1016/j.clinthera.2018.05.015
  23. Wu W, et al. Effects of resveratrol on postmenopausal women: a systematic review and meta-analysis. Front Pharmacol. 2025;16:1588284. doi:10.3389/fphar.2025.1588284
  24. Thaung Zaw JJ, Howe PRC, Wong RHX. Sustained cerebrovascular and cognitive benefits of resveratrol in postmenopausal women. Nutrients. 2020;12(3):828. doi:10.3390/nu12030828
  25. Yadegar S, et al. Effects and safety of resveratrol supplementation in older adults: a comprehensive systematic review. Phytother Res. 2024;38(5):2448-2461. doi:10.1002/ptr.8171
  26. Chow HH, et al. Resveratrol modulates drug- and carcinogen-metabolizing enzymes in a healthy volunteer study. Cancer Prev Res. 2010;3(9):1168-1175. doi:10.1158/1940-6207.CAPR-09-0155

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information über einen Inhaltsstoff und die Forschung dazu. Er ist keine medizinische Beratung. Wenn Sie eine Erkrankung haben, schwanger sind oder stillen oder Medikamente einnehmen, sprechen Sie vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in Ihrer Apotheke.

Zuletzt überprüft: Oktober 2026

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